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  • openPM: Interview mit Marcus Raitner

    Jörg Hinrichs

    Heute möchte ich Ihnen eine relativ junge Initiative vorstellen: openPM, die offene Plattform fĂŒr Themen rund ums Projektmanagement.

    openPM bietet eine Anlaufstelle fĂŒr Projektmanager, die hier ihre Erfahrungen und Ideen austauschen können. Dabei stehen folgende Werte im Mittelpunkt:

    • Aus der Praxis fĂŒr die Praxis.
      openPM versteht sich als Plattform fĂŒr den Austausch konkreter Erfahrungen und Ideen. Hier geht es um Praxisprobleme und LösungsansĂ€tze dafĂŒr, weniger um theoretische Modelle oder PM-MethodenansĂ€tze.
    • WertschĂ€tzender Umgang mit Meinungs- und Ideenvielfalt.
      Wie bei einem Brainstorming wird jede Idee an- und ernst genommen.
    • Offen und frei zugĂ€nglich und unter einer freien Lizenz nutzbar.
      Alle im Rahmen von openPM veröffentlichten Inhalte stehen jedem ohne EinschrĂ€nkung zur VerfĂŒgung. openPM soll eine Hilfe sein, kein GeschĂ€ftsmodell.
    • Kollegiale Zusammenarbeit und Bereitschaft zum Teilen.

    Das folgende Interview habe ich gestern mit Marcus Raitner gefĂŒhrt, Mitglied des Kernteams und einer der ReprĂ€sentanten von openPM.

     

    Marcus, Du bist eines der GrĂŒndungsmitglieder von openPM. Wie siehst Du selbst Deine Rolle innerhalb dieser Initiative?

    • Als Organisator und Moderator in Bezug auf inhaltliche Themen.
    • Als Provider fĂŒr die Infrastruktur (Website).
    • Als Ideengeber und Leitfigur.
    • Sonstige Rollen.

    NatĂŒrlich diskutiere ich auch bei der Infrastruktur und den Inhalten mit, aber da habe ich keine tragende Rolle. Wir haben ein großartiges Kernteam, das ĂŒber Google+ und jetzt zunehmend ĂŒber die openPM-Plattform zusammenarbeitet.

    Ich sehe mich primĂ€r als Geburtshelfer vielleicht noch als Ideengeber und als Sprecher der Initiative. Letztlich habe ich aber auch nur aufgegriffen, was schon in der Luft lag, als ich openPM in einem Kommentar im Blog von Stefan Hagen vorgeschlagen habe (nachzulesen hier: openPM – ein Aufruf).

    Einerseits spĂŒrte ich eine riesige Bereitschaft Wissen zu teilen, denn sonst gĂ€be es nicht unsere vielen und wirklich sehr guten Blogs. Andererseits scheinen die etablierten VerbĂ€nde aber nicht in der Lage dieser Bereitschaft den richtigen NĂ€hrboden zu bereiten. Verkrustete Strukturen, Gewinnstreben, Zertifikatsinflation und TrĂ€gheit erschwerten vielen das Mitmachen. Gerade den AnhĂ€ngern agiler Vorgehensweisen.

     

    In den Statements der Mitglieder von openPM ist immer wieder davon die Rede, Wissen und Erfahrungen auszutauschen.
    Hast Du das GefĂŒhl, das die bestehenden Ausbildungen zum Projektmanager hier gravierende Defizite aufweisen und wenn ja, welche sind das?
    Oder liegt es daran, dass einfach zu wenige Projektmanager eine strukturierte Ausbildung durchlaufen und stattdessen “ins kalte Wasser geworfen” werden?
    Woran liegt es, dass das BedĂŒrfnis nach einer Institution wie openPM so groß ist?

    Die Ausbildungen und Zertifikate sind an sich nicht schlecht, aber wir haben offensichtlich ein Umsetzungsproblem wenn es in der Studie von McKinsey heißt:

    “In mehr als drei Viertel aller Projekte wird der Kostenplan im Durchschnitt um vertretbare 27 Prozent ĂŒbertreten. Zeitliche Verzögerungen belaufen sich im Mittel um mitnichten dramatische 55 Prozent.”

    Dieses Verfehlen der Projektziele wird also als „vertretbar“ und „mitnichten dramatisch“ angesehen.

    Es ist zwar richtig, dass Projektmanager nicht immer eine strukturierte Ausbildung durchlaufen und oft ins kalte Wasser geworfen werden. Das eigentliche Problem meiner Meinung nach ist, dass unter Ausbildung immer nur Schulung und Zertifikat verstanden wird.

    Viel mehr helfen wĂŒrde eine Begleitung in der Praxis, ein Mentoring und Coaching, aber das passiert viel zu selten. (Schamlose Werbung fĂŒr Projektcoaching, eine Dienstleistung die wir als Firma esc Solutions anbieten und ein Konzept das wir intern zur Ausbildung von Nachwuchs PMs nutzen.)

    NatĂŒrlich ist es wichtig verstanden zu haben, was Projektmanagement alles sein könnte und alles umfassen wĂŒrde (=theoretische Ausbildung und Zertifikat). Wirksam wird es aber erst wenn im konkreten Projekt in der konkreten Situation die richtigen 20% davon die Aufmerksamkeit erhalten. Und dafĂŒr braucht man Erfahrung.

    Auch openPM wird diese Erfahrung nicht ersetzen können, aber wir nĂ€hern uns dem Thema Projektmanagement jedenfalls aus dieser Richtung: Aus der Praxis, fĂŒr die Praxis.
    Was hat in welcher Situation gut funktioniert? Wie macht man das eigentlich? Tipps und Tricks sowie Vorlagen. Und das alles in einem klaren lizenzrechtlichen Rahmen, so dass die Inhalte auf openPM auch im realen Projekt kommerziell verwendet und angepasst werden dĂŒrfen.

    WĂ€hrend die großen Standards und VerbĂ€nde das Thema eher top-down behandeln und dabei oft dort aufhören wo es in der Praxis spannend wird, wollen wir das bottom-up machen. Ob wir jemals soweit “up” kommen, also die nötige Abstraktionsebene erreichen werden, dass man von einem openPM-Standard sprechen können wird, weiß ich nicht und das ist auch nicht das Ziel (vgl. openPM-ErklĂ€rungen).

    Ein wenig Idealismus ist natĂŒrlich auch dabei: Wir wollen die Disziplin Projektmanagement voranbringen. Das geht besser ĂŒbergreifend ohne Verbands-Silo-Denken. Und es geht besser und wendiger in einem kollaborativen Modell wie uns Wikipedia gezeigt hat.

    Auch der Brockhaus hat immer geglaubt ein hochwertiges Lexikon ließe sich nur im herkömmlichen Modell produzieren. Im Moment wird noch geglaubt, hochwertige PM-Inhalte ließen sich besser oder nur in großen VerbĂ€nden erzeugen. Dass das auch kollaborativ möglich ist, wird openPM zeigen.

     

    Du hast einmal zu mir gesagt, dass openPM noch keine feste inhaltliche Struktur besitzt und diese auch weitgehend von den Teilnehmern gestaltet werden soll. Ich habe ein wenig das GefĂŒhl, dass alle die Idee sehr gut finden aber nicht so genau wissen, wie Sie konkret dazu beitragen sollen.
    Eine Hilfestellung gibt es jetzt mittlerweile in Form von Beschreibungen des “Setups” eines Projektmanagers, d.h. wie ein Projektmanager sich mit Hilfe von Tools selbst organisiert. Das wurde auch schon gut angenommen.
    Wird es da in Zukunft weitere Anregungspunkte von Dir geben oder wartest Du eher auf Ideen der Mitglieder?

    Aus genau dem Grund, dass es immer schwierig ist auf einem leeren Blatt Papier anzufangen, bereiten wir neben den Setups — ĂŒber die ich mich sehr gefreut habe und wo ich gerne noch mehr lesen wĂŒrde — gerade noch weitere Inhalte vor und versuchen eine erste Struktur vorzuschlagen.

    Diese Inhalte haben eher Listencharakter, z.B. ein Glossar oder eine Literaturliste (danke an Bernhard Schloss).

    Es gibt aber auch einige, die sehr genau wissen, was sie auf der Plattform machen wollen und diese lieber heute als morgen nutzen wollen. Auch hier sind das wieder vornehmlich AnhĂ€nger agiler Vorgehensweisen, die offensichtlich in klassischen VerbĂ€nden keine Heimat finden oder sich dort nicht wohl fĂŒhlen. Aber auch von UniversitĂ€ten spĂŒre ich großes Interesse Inhalte beizusteuern.

     

    Gibt es konkrete nÀchste Schritte, die Du im Zusammenhang mit openPM planst?

    Im Moment haben wir eine sehr heiße Phase:

    • Auswahl und Feinschliff des Logos (großartige Arbeit von Thomas Mathoi zusammen mit seiner Frau) und des Webdesigns.
    • Auswahl und Konfiguration der Plattform: wir haben derzeit Dokuwiki (Herzlichen Dank an Roland Baldenhofer) und (das von mir favorisierte) Confluence (Danke Christian Vogel aka. @fogbird) in der Erprobung.
    • VereinsgrĂŒndung inklusive Beantragung der GemeinnĂŒtzigkeit (Danke an Fabian Fier fĂŒr die großartige UnterstĂŒtzung und Vorbereitung).
    • Fertigstellung der ersten Inhalte und Metainhalte (Lizenz, About, Spielregeln, etc.) und noch ein paar Kleinigkeiten.

     

    Vielen Dank an Dich, Marcus, fĂŒr dieses informative Interview. Ich wĂŒnsche Euch heute Abend gutes Gelingen und bin schon auf die nĂ€chsten Ergebnisse gespannt.

    Published on Januar 25, 2012 · Filed under: Allgemein, openPM, Projektleiter; Tagged as:
    1 Comment

One Response to “openPM: Interview mit Marcus Raitner”

  1. openPM ist heute live gegangen: Anmelden, mitmachen und Synergien fĂŒr’s eigene Projekt nutzen.
    http://openpm.info

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