Stefan war gerade in der Firma eingetroffen und machte sich in der KĂŒche einen Kaffee. Vor einem halben Jahr hatte er sein aktuelles Projekt ĂŒbernommen und alles in allem lief es sehr zufriedenstellend. Die Planung fĂŒr die Projektlaufzeit betrug 12 Monate und zum gegenwĂ€rtigen Zeitpunkt sah er keine gravierenden Probleme.
Kurze Zeit spÀter gesellte sich Susanna zu ihm, eine von drei Entwicklern des Projekts.
„Genau“.
Das war auf jeden Fall ein ziemlicher RĂŒckschlag fĂŒr das Projekt. Sie waren zwar im Moment im Zeitplan, aber der Projektplan strotzte nicht gerade vor Reserven. Stefan ĂŒberlegte eine Weile und beschloss dann, mit dem Vorstand zu reden. Sie wĂŒrden einen neuen Mitarbeiter benötigen und den Fertigstellungstermin musste er auch verschieben.
„Als Projektleiter sind Sie natĂŒrlich bemĂŒht, immer ein bisschen Reserve in der Hinterhand zu haben. Ich verstehe das, glauben Sie mir. Als ich Projektleiter war, habe ich das auch so gemacht. Aber hier können wir uns das nicht leisten. Es sei denn Sie zeigen mir schwarz auf weiĂ, dass es vorne und hinten nicht reicht.“
Das konnte Stefan nicht. Er hatte zwar ein ungutes GefĂŒhl bei dieser Sache und er sagte das auch, aber der Vorstand lieĂ sich nicht ĂŒberzeugen.
„Was wir hier brauchen, ist ein bisschen Optimismus!“. Herr Menge klopfte Stefan jovial auf die Schulter: „Sie schaffen das schon. Ich habe vollstes Vertrauen in Sie! Wenn Sie ihr Team entsprechend motivieren, dann können wir den Termin bestimmt halten.“
Es lag Stefan auf der Zunge zu sagen, dass er selten mit einem motivierteren Team gearbeitet hatte aber auch das wĂŒrde den Vorstand nicht umstimmen. Also verabschiedete er sich und verlieĂ das BĂŒro von Herrn Menge.
Eine Stunde spĂ€ter informierte Stefan sein Team ĂŒber das GesprĂ€ch mit dem Vorstand und die neue Situation. Alle waren sich darĂŒber einig, dass es schwer bis unmöglich werden wĂŒrde, den Endtermin einzuhalten. Aber keiner hatte einen Vorschlag, wie sich die Entwicklung wesentlich beschleunigen lieĂe.
Da kam Stefan eine Idee.
„Klar“, sagte Susanna.
Im Anschluss an das Meeting setzte sich Stefan mit Susanna in sein BĂŒro.
„Bis dahin habe ich auf jeden Fall etwas Brauchbares.“, stimmte Susanna zu. „Vielleicht ist es noch nicht kugelsicher, aber ein paar aussagekrĂ€ftige Zahlen sollten wir bekommen.“
4 Tage spĂ€ter saĂ Susanna mit Stefan in seinem BĂŒro und stellte ihm die Simulation vor.
„Der Einfachheit halber habe ich die Simulation mit Excel realisiert, das ging am schnellsten. Hier auf dem ersten Blatt haben wir die allgemeinen Projektdaten:“
„Beim Projektumfang trĂ€gst Du den restlichen Aufwand in einer ProduktivitĂ€tseinheit ein“
“ LOC, Funktionspunkte, vollkommen egal. Sie muss nur mit unseren Daten zur ProduktivitĂ€t der Entwickler zusammen passen. Da wir die mit unserer eigenen KomplexitĂ€tsskala messen, solltest Du diese Einheit auch fĂŒr den Projektaufwand verwenden.“
Susanna fuhr fort: „Die Anzahl der Wochen beschreibt die restliche Projektlaufzeit. Normalerweise ist das die Zeit bis zum Fertigstellungstermin, Du kannst sie aber auch verĂ€ndern, wenn Du mal ‚was-wĂ€re-wenn‘-Szenarien ausprobieren willst.
Die QualitĂ€t der Dokumentation reicht von nicht vorhanden (0%) bis perfekt (100%). Die Einarbeitungszeit ist die Zeit, die ein neuer Mitarbeiter braucht, bis er ohne Vorkenntnisse volle ProduktivitĂ€t erreicht hat. Ich gehe dabei davon aus, dass ausgehend vom aktuellen Know-How seine ProduktivitĂ€t Schritt fĂŒr Schritt steigt.“
Stefan trug die entsprechenden Daten ein. „Der restliche Aufwand gemessen in unserer eigenen Skala sind 1950 Einheiten. Die Projektlaufzeit betrĂ€gt ein halbes Jahr, also 26 Wochen. Die Einarbeitungszeit setze ich mal mit 10 Wochen an und die QualitĂ€t der Dokumentation mit 50%. Was sind das fĂŒr ProduktivitĂ€ten in den Ergebnissen?“
„Das zeige ich Dir gleich.“ Susanna wechselte auf das nĂ€chste Tabellenblatt. „Hier haben wir die Daten zum Team. Am besten zeige ich dir die Funktionsweise anhand eines Beispiels. Nehmen wir einmal an, dass Frank nicht ausgefallen wĂ€re und alles ganz normal lĂ€uft. Dann beginnen alle Mitarbeiter in der 1. Woche und mit einem Know-How von 100%. Dieser Wert dient als Faktor fĂŒr die ProduktivitĂ€t.“
Susanna ergÀnzte die entsprechenden Daten:
„So“, grinste sie, „dann wollen wir mal sehen, ob du vernĂŒnftig geplant hast!“ Sie betĂ€tigte den Button zum Berechnen und wechselte auf das Projektblatt.
„Nicht schlecht“, sagte sie anerkennend. „1950 Einheiten Restaufwand und 2002 Einheiten GesamtproduktivitĂ€t. Da ist sogar noch ein bisschen Reserve vorhanden. Da keiner der Mitarbeiter neu dazukommt, sind auch beide Ergebniswerte gleich.“
Susanna fuhr fort: „Als nĂ€chstes schauen wir uns an, wie die Integration des neuen Mitarbeiters den Zeitplan Ă€ndert. Dazu machen wir ein paar Annahmen:
- Wir brauchen 3 Wochen, um jemand Neues zu finden.
- Seine ProduktivitÀt entspricht der von Frank.
- Er verfĂŒgt ĂŒber kein Vorwissen.
- Ich ĂŒbernehme seine Einarbeitung und benötige dafĂŒr 50% meiner Arbeitszeit.
Da Frank nicht mehr verfĂŒgbar ist, reduzieren wir seine ProduktivitĂ€t auf Null.“
Susanna nahm die jeweiligen Ănderungen in der Tabelle vor:
Dann fĂŒhrte Sie erneut die Berechnung durch und prĂ€sentierte Stefan das Ergebnis:
Die nĂ€chste Stunde verbrachte Stefan damit, verschiedene Szenarien fĂŒr sein Projekt durchzuspielen. Dabei stellt er fest, dass die Verzögerung seines Projekts unter ungĂŒnstigen UmstĂ€nden, z.B. bei geringerer ProduktivitĂ€t des neuen Entwicklers, sogar bis zu 8 Wochen betragen könnte.
Am nÀchsten Tag vereinbarte Stefan ein weiteres GesprÀch mit dem Vorstand und zeigte ihm die ProduktivitÀtsverÀnderung anhand des Diagramms sowie die resultierende Verzögerung des Fertigstellungstermins.
Bevor er das BĂŒro verlieĂ, sprach ihn Herr Menge noch einmal an: „Oh, eins noch: Sie sollten ihre Instinkte nicht ignorieren, aber sie sollten ihnen auch nicht blind vertrauen. Genau das haben sie getan. Gute Arbeit!“
Stefan freute sich ĂŒber das Lob und kehrte an seinen Arbeitsplatz zurĂŒck.
Hier endet die Geschichte. Wenn Sie Interesse am Excel-Tool zur Fluktuationsberechnung haben, können Sie es hier im Rahmen der GPL-Lizenz herunterladen: Modellierung Fluktuation im Projekt (Excel)
Wie man ProduktivitĂ€ten fĂŒr seine Mitarbeiter ermitteln kann beschreibt folgender Artikel: Messen Sie schon oder schĂ€tzen Sie noch?










